Siegel 2017-2018-klein
CT17-AW-Die Aufseher_1965_öhf-,bxh_110x82_Toronto-fibk

Annemarie Grütter / Wieser
wurde 1922 als Tochter des Philo- und Theosophen Friedrich Grütter in Frankfurt / Oder geboren. Ein Jahrzehnt spä- ter wurden die frühen Schriften ihres Vaters im III. Reich durch die Nationalsozialisten verboten und er wurde zeitweise inhaftiert oder zwangsweise in psychiatrischen Anstalten isoliert.

Eine nicht alltägliche Jugend für Annemarie. Den Krieg ertrug sie mit ihrer Schwester und Mutter in Berlin bis bei der Zerbombung der Stadt auch ihr Zuhause vernichtet wurde und es sie ins Erzgebirge verschlug.
Nach Kriegsende 1946 ein erster Lichtblick für die Familie; als die Flüchtlinge mit ihrer wenigen Habe im fränkischen Erlangen untergekommen waren, wurde mit Genehmigung des amerikanischen Militärgouvernement in Deutschland die 1. Auflage der Evangelien-Harmonie des Vaters veröffentlicht und Annemarie konnte ihr Studium in Erlangen be- ginnen, das bis zur Währungsreform 1948 dauerte.

 

CT17-AW-Familie über Grosstadt schwebend I_öhf-1998_bxh_60x50-Horhausen-fibk

Titelabbildung.: AUFSEHER, Toronto 1965, 110x82 cm
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Oben: FAMILIE ÜBER GROSSSTADT SCHWEBEND, 1998, 60x50 cm. Rechts: INSPIRATION; 1959, 60x50 cm
Unten: MONDBABY IM WASSER, 1960, 71x60 cm

CT17-AW-Inspiration_1959,1960_bxh_50x70_ÖlMalpappe_-fibk
CT17-AW-Mondbaby im Wasser_1960_bxh_71x60_ÖlLwd_Toronto-fibk

Danach arbeitete sie bei Siemens und heiratete den Dipl.Ing. Hans Wieser und setzte in Karlsruhe ab 1951 ihr Kunststudium fort bis sie 1954 mit ihrem Mann nach Toronto in Kanada auswanderte. Sie vervollständigte dort ihr Können in den Jahren von 1956 bis 1960 und schloss am Ontario College of Art ab.

Um viele Erfahrungen und Erleb- nisse reicher kehrten die Wiesers zwanzig Jahre später in den rauen Westerwald zurück, wo sie bis 2004 ihr Atelier hatte.
Im gleichen Jahr ist Annemarie Wieser 85-jährig umgezogen. Sie hat ihr Atelier in Pleckhausen auf- gegeben, den Westerwald verlas- sen und ist nach Reinharz bei Bad Schmiedeberg in die Nähe des Schlosses Reinharz gezogen. Sie hat hier ein kleines Haus gekauft und ein neues Atelier sich einge- richtet. Nur einige Jahre waren ihr noch vergönnt.

CT17-AW-Ein Gladiolengesang_1994_bxh_50x70_ÖlHf_fibk
CT17-AW-Mein kleiner Genius_1971_bxh_71x61_ÖlHf_Toronto-fibk

Links: GLADIOLENGESANG, 1994, 50x70 cm. Mitte; MEIN KLEINER GENIUS,1971, 71 x 61 cm. Rechts: MENSCH UND HUND IN SEHNSUCHT, 1961, 60x81 cm

CT17-AW-Mensch und Hund in Sehnsucht_1961_bxh 60x81_ÖlHf_Toronto-fibk

Für Annemarie Wieser und ihre Generation, die in einen Stilpluralismus unbegrenzter Ausdrucksmöglichkeiten hineinwuchsen, wurde das erste Kriterium, das Auskunft zum jeweiligen Zeitabschnitt geben kann, die stilistische Richtung, die sie einschlugen; impliziert mit der Neigung zu bestimmten Gattungen und Motiven wie auch der Wahl der Vorbilder.

Mit persönlichen Chiffren und eigenem Motivschatz hat Annemarie Wieser ein Tagebuch inneren Erlebens in Bildern von besonderer Farbexplosivität aufgezeichnet und von den künstlerischen Grundlagen der Zeit ausgehend, formulierte die Malerin oft mit erfundenen Bildvokabeln ein Psychogramm ihres spezifischen, weiblichen Empfindens, auch der Einsamkeit und dem Ausgeliefertsein an eine absurde Welt. So sehr sich bei ihr im Surrealistischen eine farbliche Parallelität zur Wiener Schule zuweilen findet, bleibt die Darstellung des Menschen in und mit seinen individuellen Bestimmungen ihr Zentralthema durch die Jahrzehnte des gesamten Oeuvres. Am 9.10.2015 verstarb Annemarie Wieser nach kurzer Erkrankung infolge eines Unfalls.

Sie gehört zu den Malerinnen der Generation, die in den 40ern und zum Beginn der 50er Jahre des vorigen Jahrhun- derts (nach dem II. Weltkrieg) in ihrer Berufung bildende Künstlerin zu werden, noch beengt wurden von altherge- brachten Vorstellungen, die sich auf weibliches Künstlertum bezogen, Hypothesen und Prognosen, was sie nicht leisten könnten, eben weil sie Frauen wären. Diesen Trugschluss widerlegte Annemarie Wieser mit ihrem Gesamtwerk von sechs Jahrzehnten vehement.

CT17-AW-Alter Mann mit Kind_1954_ÖlHf-,bxh_61x80_Tornonto-fibk
CT17-AW-Lebensspirale_1994_Ölhf_bxh70x100-fibk CT17-AW-Perseus mit Gorgonenhaupt_1965_bxh_46x61_ÖlHf_Canada-fibk

Oben : links: LEBENSSPIRALE, 1994, 70x100 cm. Mitte: ALTER MANN MIT KIND, 1954, 61x80cm. Rechts: PERSEUS MIT GORGONENHAUPT, 1965, 46x 64 cm. Unten links: 3 SCHEIBEN BROT, 2002, 80 x 60 cm. Rechts: FRAU LESEND MIT STILL- LEBEN, 1986, 60x50 cm.

CT17-AW-Frau lesend mit Stilleben 1986_ölLwd_bxh_60x50_Horhausen-fibk
CT17-AW-3 Scheiben Brot_2002_bxh_80x60_ÖlLwd_Horhausen-fibk

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