Siegel 2015

ANNEMARIE WIESER

Die Einheit der Gegensätze, das seelisch-geistige Wachstum durch sie und ihre Zentrierung zu grö- ßerer Selbst- und Welterkenntnis war immer mein Herzensbedürfnis. Annemarie Wieser

ct - Wieser-Sonnenaufgang am Ende von Pleckhausen

SONNENAUFGANG IN PLECKHAUSEN

1922 wurde sie als Tochter des Schriftstellers Friedrich Grütter in Frankfurt/Oder geboren. Die frühen Schriften ihres Vaters waren im III. Reich von den Nationalsozialisten verboten und er selbst wurde zeitweise inhaftiert oder in psychiatrischen Anstalten isoliert. Eine nicht alltägliche Jugend für Annemarie Grütter. Den Krieg ertrug sie mit ihrer Schwester und Mutter in Berlin bis bei der Zerbombung der Stadt bei der auch ihr Zuhause vernichtet wurde und es sie ins Erzgebirge verschlug.

ct -Wieser-Paar spielt mit Hunden und Katzen

oben: PAAR SPIELT MIT KATZEN UND HUNDEN
rechts: FAMILIENNEST

ct -Wieser-Familiennest

1946, die Flüchtlinge waren mit ihrer wenigen Habe in Erlangen untergekommen, wurde mit Genehmigung des amerikanischen Militärgou- vernement in Deutschland die Evangelien-Harmonie des Vaters gedruckt. Annemarie Grütter begann ihr Kunststudium in Erlangen, das bis zur Währungsreform dauerte, arbeitete danach bei Siemens und heiratete Hans Wieser, einen Diplomingenieur. In Karlsruhe setzte sie ab 1951 ihr Studium fort bis sie 1954 nach Toronto, Kanada auswanderte und Annemarie Wieser vervollständigte ihr Können von 1956 bis 1960 am Ontario College of Art.
Um viele Erfahrungen und Erlebnisse reicher kehrten die Wiesers zwanzig Jahre später nach Deutschland in den rauen Westerwald zurück, wo die Künstlerin bis 2004 ihr Atelier hatte bevor sie, immerhin schon 82-jährig, in die Dübener Heide zog und am 9.10.2015 dort verstarb.

„Annemarie Wieser gehört zu den Malerinnen der Generation, die in den 40ern und zum Beginn der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts (im und nach dem II. Weltkrieg) in ihrer Berufung bildende Künstlerin zu werden, noch beengt wurden von althergebrachten Vorstellungen, die sich auf weibliches Künstlertum bezogen, von Hypothesen und Prognosen, was sie nicht leisten könnten, eben weil sie Frauen wären. Ein Trugschluss, den Annemarie Wieser mit ihrem Gesamtwerk vehement widerlegt und das ihre Biografie mit sechs Jahrzehnten künstleri- schen Schaffens beweist.

ct - Wieser-Dornröschen

oben: DORNRÖSCHEN, rechts: FAMILIE ÜBER GROSS- STADT SCHWEBEND, unten: KIRSCHBAUM MIT ZWEI PFLÜCKERN; rechts: ÜBERWACHSENDER STEINBRUCH

309-Gefällter Kirschbaum mit 2 Figuren
Wieser-Familie über Großstadt schwebend
ct- Wieser überwachsener Steinbruch

zz-Wieser-PortätFür Annemarie Wieser und ihre Generation, die in einen Stilpluralismus unbegrenzter Ausdrucksmöglichkeiten hinein wuchsen, wurde das erste Kriterium, das Auskunft zum jeweiligen Zeitabschnitt geben kann, die stilistische Richtung, die sie einschlugen; impliziert mit der Neigung zu bestimmten Gattungen und Motiven wie auch der Wahl der Vorbilder“, schreibt Axel-Alexander Ziese in der Monografie „Lebensrätsel“. und weiter: „Mit persönlichen Chiffren und dem ihr eigenen Motivschatz hat Annemarie Wieser ein Tagebuch inneren Erlebens in Bildern von besonderer Farbexplosivität aufgezeichnet und von den künstlerischen Grundlagen der Zeit ausgehend, formu- lierte die Malerin oft mit erfundenen Bildvokabeln ein Psychogramm ihres spezifischen, weiblichen Empfindens, auch der Einsamkeit und dem ausgeliefert Sein an eine absurde Welt.
So sehr sich bei Annemarie Wieser im Surrealistischen eine farbliche Parallelität zur Wiener Schule zuweilen findet, bleibt die Darstellung des Menschen in und mit seinen individuellen Bestimmungen ihr Zentralthema durch die Jahrzehnte des gesamten Œuvres.“

Durch die Symbiose anderen Denkens entsteht empirisch eigenes Wissen. Jahrzehnte habe sie gebraucht, sagt Annemarie Wieser von sich, um vom ALLES FLIESST - über das Wissen des Tao mit der mathematischen Exaktheit aus der Pyramide und komplettiert mit den theosophischen Erkenntnissen zum ALLES SCHWINGT, einer positiveren Lebensaussage und -auffassung zu kommen.
Die menschliche Gestalt,’ so ein Zitat von Annemarie Wieser, ‘wird durch ihr Eingebundensein in geometrische Formen und Wachs- tumsgesetze zu einem seelischen Echo in Farben’. In ihren Bildern findet der aufmerksame Betrachter Vieles nuanciert wieder, das aus den Kunstströmungen des XX. Jahrhunderts vertraut zu sein scheint, wie die Farbenpalette der Phantasten, die Formenvielfalt des Surre- alen, die Dimensionen des Magischen und die Akzeptanz des Realen. Und doch sind die üblichen kunstwissenschaftlichen Kategorien keine Hilfestellung für den Zugang zu Annemarie Wiesers Bildern. Der Betrachter muss eintauchen und sein Inneres wahrnehmen, sich freimachen, um die Fülle und Bandbreite ihrer Werke zu erfassen. (aus dem Jahrbuch Meisterwerke Künstler unserer Zeit)

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